Trinkwasserinstallationen nach dem Bedarf planen und bauen

Jede Trinkwasserinstallation ist eine Spezialanfertigung für das entsprechende Gebäude und den Bedarf des Betreibers.

Es gibt Grundanforderungen aus dem Regelwerk, mit deren Anwendung jede Trinkwasserinstallation ihren Zweck erfüllt. Ziel ist, mit diesen Grundanforderungen dem Bedarf des Gebäudes (des Betreibers) gerecht zu werden. Nur in begründeten Ausnahmefällen sollte man zusätzliche Maßnahmen treffen, da diese stets einen erweiterten Aufwand (meist zusätzliche Bauteile, Technik etc.) nach sich ziehen. Dieser muss selbstverständlich vom Regelwerk gestattet sein und, wichtiger noch, im Zweifelsfall der Bewertung eines Gutachters standhalten!

Denn: Weiche ich von den Anforderungen des Regelwerkes ab – ob mit anderen oder auch erweiterten Techniken – muss ich stets die Notwendigkeit und die Funktion dessen, was ich gebaut habe, nachweisen können. Ich muss die Gleichwertigkeit der Regelwerksabweichung beweisen – und das fällt oft sehr schwer.

So werden gut gemeinte „Anpassungen" für den Kunden schnell zum Bumerang für den SHK-Handwerker. Aus diesem Grund sollte man sich stets im Bereich des Regelwerkes bewegen, was im Übrigen auch für alle anderen Gewerke gilt.

Die DIN EN 806 und DIN 1988 lassen uns teilweise verschiedene Möglichkeiten, die stets mit „gesundem Menschenverstand" und objektbezogen umgesetzt werden müssen. Häufig gibt es nicht den einen Weg zum Ziel, sondern viele Pfade, teilweise auch beschwerliche, die zum Ziel führen können. Am besten ist es jedoch meistens, den einfachen Weg zu gehen.

Beispiele dazu gibt es viele, die folgenden zwei sollen hier zum besseren Verständnis herangezogen werden.

Beispiel 1:

Membran-Druckausdehnungsgefäße sind vom Regelwerk her zulässig, ihr Einsatz aber nicht zwingend vorgeschrieben. Sollen diese zum Einsatz kommen, müssen selbstverständlich die Anforderungen zum Einbau eingehalten werden. Sie müssen durchströmt sein und es darf dennoch nicht auf die Entlastungsleitung („Abblaseleitung") des Sicherheitsventils oder gar das Sicherheitsventil selbst verzichtet werden. Natürlich muss beim Einsatz eines Ausdehnungsgefäßes dieses auch von der Größe und dem Vordruck zur Trinkwassererwärmung passen und im Kaltwasserzugang eingebaut werden. Dies sind alles Vorgaben, die das Regelwerk nur für den Einbau eines Bauteiles macht, auf dessen Einsatz aber auch gänzlich verzichtet werden kann. Weiterhin gelten auch die Vorgaben des Herstellers zur Installation des jeweiligen Produktes.

Das Motto hierbei lautet: Wer das eine macht, darf das daraus resultierende nicht unterlassen; oder: Wer „A" sagt, muss auch „B" sagen.

Derzeit ist festzustellen, dass häufig falsche Aussagen zu den grundlegenden Installationsarten umlaufen.

Deshalb kommen wir zu

Beispiel 2:

Die „T-Stück-Installation" oder normenkonform die „Einzelzuleitung zu Entnahmearmaturen" ist nach wie vor wichtiger Bestandteil der Trinkwasserinstallation!! Sie ist keinesfalls verboten und nur noch „Schleifen" erlaubt, wie vielfach verlautet wird. Leider wird sogar für normale Wohnbauten wie Ein- und Zweifamilienhäuser oder Mehrfamilienhäuser das Schleifen als einzige Möglichkeit dargestellt, dem Regelwerk zu entsprechen. Das ist schlicht falsch!

Die DIN EN 806-2 und die DIN 1988-200 (jeweils Kapitel 8.1) lassen die Wahl und geben Anforderungen vor: Einzelzuleitungen sollen so kurz wie möglich sein und nicht über 3 Liter Wasserinhalt kommen.

Der einzige Vorteil der Reihenleitung ist die einfache Vermeidung von Stagnation, sofern der Benutzer das Trinkwasser an der richtigen Stelle und in ausreichender Menge zapft.

Genau darin liegt aber Brisanz: Macht er dies nicht, erzeugt eine geschleifte Installation sogar noch weitere Probleme: Zur Versorgung mehrerer Objekte mittels durchgeschleifter Rohre müssen nämlich im Regelfall größere Dimensionen mit größeren Innenoberflächen und größerem Wasserinhalt installiert werden, damit überall Volumenstrom und Druck passen. Das begünstigt dann gerade die Stagnation und größere Rohrinnenoberflächen bieten mehr Besiedlungsflächen für Mikrobiologie. Dass diese Installationsart auch noch deutlich die Rohrleitungslänge erhöht und damit vorgenannte Aspekte verschärft, kommt erschwerend hinzu.

Nicht zuletzt bedeutet dies erhebliche Mehrkosten und ein größeres Schadenspotential. Zusätzlich erschwert der Einsatz von geschleiften Installationen die Umsetzbarkeit in vielen Objekten, da eine Vorwandinstallation erforderlich ist. In den oben genannten Wohnbauten gibt es im Regelfall ein Bad, eine Küche und evtl. eine Gästetoilette/-bad - alles Einrichtungen des täglichen Gebrauchs. Wo soll da der Vorteil einer Reihenleitung liegen?

Bestenfalls bei Einrichtungen wie z.B. der Außenzapfstelle, die bestimmungsgemäß nur in den frostfreien Monaten zum Einsatz kommt und dazwischen zur Stagnation verdammt ist, macht das Schleifen mit endständiger Armatur des täglichen (regelmäßigen) Gebrauchs einen Sinn und ist deshalb dort angeraten.

Bei anderen Gebäuden, in anderen Situationen macht die Reihenschaltung häufig Sinn, wie z.B. in „sensiblen Einrichtungen" wie Krankenhäusern, Altenheimen oder Kindergärten. Aber auch hier gilt es, nicht zu übertreiben und sachlich an die Planung heranzugehen. Immer und überall mit allem, was die moderne Trinkwasserinstallation zu bieten hat, aufzufahren und eine Venturi-Düse nach der nächsten oder lieber eine Spüleinrichtung mehr einzubauen, kann auch zu unerwarteten anderen Problemen führen.

Weiterhin wurden in den letzten Monaten Stimmen laut, dass durch die Materialverbindung der Armatur zwischen Kalt- und Warmwasserleitung eine ungewollte Erwärmung der Kaltwasserleitung produziert wird und dies durch eine weiter entfernte Einbindung der Schleife zu vermeiden ist. Wo bliebe dann der einzige Vorteil von Reihenschaltungen?

Fazit:

Wir haben in den vergangenen 25 Jahren mit der alten DIN 1988 keineswegs schlechte Trinkwasserinstallationen gebaut. Eines haben die vergangenen Jahre und die Diskussion und Anpassung aus der Trinkwasserhygiene gezeigt: Wir hatten zwischenzeitlich vergessen, den Betreiber „mitzunehmen", ihm die Notwendigkeit der richtigen Betriebsweise – der Nutzung – des Lebensmittels Trinkwasser beizubringen. Durch die Trinkwasserverordnung haben sich bei vielen die Sinne dafür nun geschärft. Wir sollten jetzt aber aufpassen, nicht in das andere Extrem zu verfallen und mit den vielfach zitierten Kanonen auf Spatzen schießen.

Darin liegt die riesige Chance eines jeden SHK-Handwerkers – Ihre Chance!

Machen Sie sich selbst Gedanken dazu und verwenden Ihren gesunden Menschenverstand, treffen Sie die richtige Entscheidung und zeigen Ihrem Kunden, dass er in Ihnen den fachkompetenten Partner gefunden hat, den er erwartet. Danach ist es an Ihnen, dem Kunden zu zeigen, dass auch er als Betreiber eine Aufgabe zu übernehmen hat, vielleicht sogar die Wichtigste – die richtige, regelmäßige Verwendung seiner Trinkwasserinstallation.