Der gnadenlose Rückbau von Sammelsicherungen der Weisheit letzter Schluss?

Bedingt durch die Erfahrung, die wir in den letzten 2 Jahren durch die Gefährdungsanalysen gemacht haben, wird nicht nur mit der thermischen und chemischen Desinfektion in der Trinkwasserinstallation zu leichtfertig umgegangen. Auch der gnadenlose Rückbau von Sammelsicherungen, ohne die genauen Anlagen-Rahmenparameter zu analysieren, wird oftmals zu vehement von allen Sachverständigen gefordert. Es ist leicht zu sagen, dass alle Sammelsicherungen nicht mehr den anerkannten Regeln der Technik entsprechen und auf den Rückbau zu verweisen. Oftmals wird jedoch die einzelne Kontrolle der vorhandenen Objektarmaturen auf Einzelsicherheit schlichtweg von den Verantwortlichen vergessen. Und ob das alles letztendlich für die Trinkwasserqualität zielführend ist, ist fraglich. Nach der DIN 1988-200 (3.6) ist die Kaltwassertemperatur (PWC) in der Trinkwasserinstallation auf max. 25 ° C begrenzt. Doch im Zuge der Installationspraktiken der 70er, 80er und 90er Jahre wurden oftmals Kaltwasserleitungen zusammen mit warmgängigen Rohrleitungen (PWH, PWH-C, HV, HR) bzw. ungedämmt im Rohrschacht verlegt. Findet kein bestimmungsgemäßer Betrieb der Trinkwasserinstallation durch den Betreiber oder Mieter statt, wovon in einer großen Anzahl von Wohnungen in Hamburg auszugehen ist, wird die Maximaltemperatur des Kaltwassers im Stagnationszeitraum überschritten. Oberhalb von 25° C findet das mikrobielle Wachstum zu 95 % auf der Rohrinnenwandung und zu 5 % im Trinkwasser statt. Folglich erhalten wir in solchen Rohrnetzen auch eine entsprechende Kontamination von Legionellen in der Kaltwasserleitung bedingt durch die dort herrschenden Mischwassertemperaturen.

Schulen und Kindergärten gehören als öffentliche Einrichtungen zu den gefährdetsten Betreibergruppen. Zu Ferienzeiten und am Wochenende findet so gut wie kein bestimmungsgemäßer Betrieb statt. Das Wasser stagniert. Auch Technikräume mit hohen Raumtemperaturen, ungedämmten Kaltwasserrohrleitungen und unkontrollierten Mischwassertemperaturbereichen z. B. am Speicher oder an der Zirkulationseinbindung stellen gravierende Probleme in der Praxis dar.

Die Trinkwasserhygiene hat vor allen anderen Regelwerken zum Wohl der menschlichen Gesundheit die höchste Priorität! Selbstverständlich unterliegt der technischen Bewertung einer Trinkwasserinstallationsanlage bei der Erstellung einer Gefährdungsanalyse auch der wirtschaftliche Aspekt. Fast jeder Handwerker tut sich im Zuge einer Sofortmaßnahme damit schwer, im bewohnten Bestand meterweise Rohrschächte zu öffnen, um die darin vorhandene Rohrleitung thermisch zu entkoppeln oder auch komplett zu erneuern.

Als Lösungsansatz kann der Sachverständige, Betreiber und der Handwerker zur zeitbeschränkten Ertüchtigung der Trinkwasserinstallationsanlage als Sofortmaßnahme darüber nachdenken, die Sammelsicherung zu einer Spüleinrichtung umzufunktionieren. Zeit- oder temperaturgeführt könnte die Kaltwasserleitung bei einem Temperaturanstieg automatisch mit kälteren Wasser gespült werden, um somit die Kontamination zu minimieren bzw. auszuschließen.